Nachdem wir ExpeditionsteilnehmerInnen zwischenzeitlich sicher wieder in den Schoss unserer Familien, Freunde und Partner zurückgekehrt sind, gilt es das Erlebte noch einmal mit einem gewissen Abstand zu reflektieren.

Sollte man sich in die damalige Zeit zurückversetzen wollen, braucht es derzeit aber einiges an warmer Kleidung, der Temperaturunterschied zwischen Afrika und der Schweiz beträgt wohl im Moment so etwa geschätzte 30 – 40°C (von der gefühlten Sonnentemperatur wollen wir erst gar nicht anfangen, falls man die Sonne überhaupt sehen kann!), je nach Wohnort. Der Aufenthalt auf dem Kilimandscharo selbst ist zumindest in der Theorie unseren aktuellen Witterungen noch am Nächsten. Man kann ansonsten auch einfach einen Tiefkühlcontainer besuchen und in diesem einen Ventilator aufbauen, der einem die Eiseskälte in das Gesicht bläst, während man versucht die Finger und Zehen zu spüren, so in etwa war es auf dem Kilimandscharo. Doch wir verlieren den Faden (und vor allem wird es plötzlich so komisch kalt an den Fingern und Füssen, bei den Erinnerungen…).

Kehren wir also zum Anfang zurück, ganz weit zurück: ein erstes Treffen eines kleinen Teils der Expeditionsgruppe gab es beim Einkleide-Event bei Sherpa Outdoor in Volketswil, bereits im Sommer 2010. Später folgten weitere Auftritte im November 2010 im Pizolpark, mit Einflug Nöldi Forrer via Helikopter und im Januar 2011 schliesslich im Rheinpark, unter Mithilfe des FC St. Gallen und Appenzeller Käse. Auch wurden die ersten eMail-Kontakte geknüpft, bisherige Reise-Erfahrungen und viele wertvolle Tipps ausgetauscht (z.B., dass es auch in Afrika KEINE 5 Paar Jeans für nur 2 Wochen braucht…).

Als schliesslich der grosse Reisetag gekommen war reiste die Gruppe zweigeteilt gestaffelt nach Afrika. Wobei die Gerüchteküche (und auch zahlreiche Bildbeweise) irgendwas darüber berichtet, dass das Vordetachement sich aufopferungsvoll in Afrika sowohl an fremden Speis wie Trank versuchte, während die Hauptgruppe erst anreiste. Und diese Versuchsreihe nach Ankunft aller TeilnehmerInnen bis spät in die Nacht anhielt, was sich über die ganze Expedition noch hinziehen wird. Zahlreiche Wein- und Bierkeller in Afrika berichten auch heute noch von Notständen, wobei wir ja eigentlich nur den Tipps der Aerzte gefolgt waren, welche besagten dass Wein gut für Herz und Seele sei. Immerhin galt es das besagte Herz inkl. Körper später auf 5’895 M.ü.M. zu bringen, da braucht es eine gewisse Grundkondition…

Überhaupt, die Gemeinschaft. Sie prägte die ganze Reise, es wuchs schnell zusammen was zusammen gehörte. Jeder war Teil des Teams, oftmals überkam einen das Gefühl der Vertrautheit, schon Ewigkeiten gemeinsam unter gleicher Flagge unterwegs zu sein. Es wurde herzhaft gelacht, miteinander gescherzt, gemeinsam am gleichen Strang gezogen, gegenseitig motiviert, geholfen so es Gelegenheit dazu gab und vor allem der Teamspirit gepflegt. Jeden Abend gab es Schweizer Liedgut, die Jasskarten konnten sich seltenst langfristig erholen und wurden selbst am Berg noch gerne ausgegraben, viel untereinander geschwatzt und wie erwähnt, noch viel, viel mehr gelacht. Für eine Expedition mit so vielen TeilnehmerInnen durchaus keine Selbstverständlichkeit, und doch war es vor allem das harmonische Gefüge, welches später den Erfolg am Berg ausmachen würde.

Die erste Woche stand ganz im Zeichen des Kilimandscharos, bzw. dessen Bezwingung. Dazu galt es jedoch ihn zuallerst einmal in der Ferne zu entdecken, denn der Berg schaffte es, sich bis zum ersten Trekkingtag erfolgreich hinter einer Dunst- oder Wolkenwand zu verstecken. So war stets eine leichte Spannung spürbar wie hoch das Ziel wirklich wirkte, ohne dass man sich selbst ein Bild machen konnte. Dem entsprechend gross war das Echo, als der Berg sich am Transittag zum Trek endlich in voller Pracht und wolkenlos zeigte. Die Vorfreude stieg, wie auch danach die ExpeditionsteilnehmerInnen, als das Gate zum Nationalpark durchschritten wurde und die ersten Höhenmeter unter die Füsse genommen wurden.

Höhenmeter um Höhenmeter, oder auch Laufkilometer um Laufkilometer, wurde zurückgelegt, während sich die Landschaft entfalten konnte und mit einem Regenwaldtouch überraschte. Die Freude des ersten Lagers wurde am Folgetag dadurch getrübt, dass Stephan Holderegger aus gesundheitlichen Gründen das Unterfangen Kilimandscharo für sich selbst aufgeben musste. Die Expedition zog mit der Motivation weiter, nun erst recht alles aus dem eigenen Körper zu holen, der schon erwähnte Teamspirit griff um sich.

Weiter und weiter ging es nach oben, die Landschaft wechselte sich, die Luft wurde dünner, das traumhafte Wetter blieb. Mit jedem Schritt war man gefesselt von der Pracht, welche sich einem beim Blick in das Tal oder des Weges darbot. Und selbst der bisher eher verhüllte Berg zeigte sich in seiner vollen Grösse, auf die Wagemutigen herunter lächelnd. Schlussendlich stand die letzte Etappe an, der Kilimandscharo lag über uns und harrte den Dingen (und den Wahnsinnigen), die da kommen mögen.

Die Schlussetappe verlangte noch einmal alles an die Kraftreserve: von 3’700 M.ü.M. ging es über 11 km durch eine Steinwüste auf 4’750 M.ü.M., um eine (theoretische…) Schlafpause von etwa 4 Stunden „geniessen“ zu können. Nur um danach eine über 1’000 Höhenmeter hohe, mit losen Steinen gepflästerte Steilwand nach oben zu kraxeln. Immer begleitet von unzähligen Stirnlampen über und unter einem, welche das Unterfangen in gespengstigem Licht tauchte. Kaum war die Steilwand bezwungen, galt es noch einmal auf über 5’680 M.ü.M. die Wegstrecke bis zum Gipfel auf 5’895 M.ü.M. zurück zu legen, während von allen Seiten die Elemente an einem zerrten und der Wind ein ständiger Begleiter wurde. Dunkelheit und Kälte kosteten Kraft, doch die spätere Belohnung in Form des Sonnenaufganges machte alles wett.

Nach einem für viele viel zu schnellen Abstieg wurde kurz auf 4’750 M.ü.M. verschnauft und versucht ein Frühstück einzunehmen, bevor es wieder abwärts durch die Steinwüste ging – eine unglaubliche Tagesreise: ca. 30 km Wegstrecke, über 4’000 Höhenmeter, und dies alles ohne richtigen Schlaf oder Erholungszeit. Den gleichen Weg weiter zurücklegend folgte der Transit in unser bisheriges Basecamp, der Dik-Dik-Lodge, wo wir unser „Überleben“ über zwei Tage feierten und in der jüngsten Vergangenheit schwelgten.

Die erste Woche stand im Zeichen des Berges, die zweite vor allem für das Rhein-Valley-Hospital. Der eindrückliche Besuch vor Ort wirkt sicher auch heute noch nach und war ein Highlight der Expedition. Dank des Einblickes in die Arbeit des Spitals, der wartenden Patienten und den vielen Erklärungen von Mama Matata konnte man sich ein Bild machen, wie mit wenig Geld Grosses geleistet wird. Zu sehen, wofür man die Strapazen auf sich genommen hatte, gab einem ein gewisses befriedigendes Gefühl. Die restliche Freizeit in der zweiten Woche wurde mit der modernen Grosswildjagd via Kamera verbracht, während die Sonne auch das letzte Fetzchen weisse Haut röstete.

Gesamthaft kann, nach Meinung des Schreibers, die Expedition 2011 nur als voller Erfolg verbucht werden: es herrschte eine tolle Kameradschaft, es gab keine gravierenden negativen Zwischenfälle und es konnte eine grosse Spendensumme für das Spital gesammelt werden, dank der Mithilfe aller Beteiligter.