Reisebericht by Sherpa Outdoor Thierry Hennige

Um 03:30 Uhr kehrte ein wenig Ruhe ein, während davor auf den Hängematten aus voller (falschen) Kehle gesungen wurde. Je später…oder bzw. je früher der Morgen…desto weniger konnte man akustisch verstehen, was da gesungen wurde. Die Natur liess es stumm über sich ergehen, doch so mancher Hotelgast hätte vermutlich nach dem Gewehr gegriffen, um dem den Lauten nach leidendem Tier den Gnadenschuss zu geben.

Beim Frühstück konnte man das erste Mal den veränderten Biorhythmus der Natur beobachten. Die Affen, die man normalerweise im Dschungel hören oder beobachten konnte, waren durch die unruhigen Nächte (!) wohl so in ihrem natürlichem Schlaf gestört, dass sie selbst nicht mehr aus den Bäumen kamen. Ihre Artverwandten, welche sich die Körperbehaarung rasierten, waren dagegen grösstenteils rechtzeitig am Buffet.

Um 11:30 Uhr wurde das Handgepäck verladen und die abenteuerliche Fahrt zum Flughafen ins Auge gefasst. Am Flughafen selbst ging es ruckzuck und die zweimotorige Propellermaschine wurde angegangen. Nach einem Augenschein aussen trauten sich auch die letzten Zaghaften an Board und die Motoren wurden angeworfen. Mit einem Blick auf den Kilimanjaro wurden auch jene belohnt, welche während des Fluges so manches heimliches Stossgebet gegen Himmel sendete. Aufgrund der geringen Tragekraft war der Flug gerade in den tieferen Lagen unruhig, was entweder Gelächter oder aber Stossseufzer auslöste.

Am Ankunftsort angekommen warteten vier Jeeps auf die Passagiere und das nächste Abenteuer, der Transport nach Nakuru. Durch die Stadt mit Blick auf diverse Slums, über ein Hochplateau mit unglaublichem Blick auf die unten gelegene Ebene führte die Fahrt schliesslich durch die Steppe. Verschiedene Tiere wurden gesehen, seien es Tarngiraffen oder  unsichtbare Elefanten (dabei muss es sich um Fata Morganas gehandelt haben), wie auch reale Zebras, Gnus und Antilopen. Eine Pause unterwegs warf ein Loch in so manche Reisekasse, als etwa CHF 6.—für Glacé und etwa CHF 8.—für Gummibärchen ausgegeben wurden. Die Marktwirtschaft in Afrika hat ihre Blütezeit erlebt.

Als schliesslich auch dieser Zielort erreicht wurde, wurden die Zimmer oder Zelte in Mama Matatas Haus bezogen sowie von einem Teil der Gruppe auch in einem nahen Hotel die Unterkunft bezogen.  Das Abendessen fand sehr spät statt, in einer extra für die Reisegruppe geöffneten Pizzeria. Der Massenandrang führte zu Versorgungsengpässen in der Küche, zum Glück lenkten die über den Tisch fliegenden Jasskarten vom Hungergefühl ab.

Um an der jungen Tradition festzuhalten wurde selbstverständlich auch in dieser Nacht gesungen, wobei die nahen Hunde irgendwie an den ungewohnten Tönen Gefallen fanden und mehrstimmig einstimmten…