Medical Report von Dr. Andreas Würmli

Zu Beginn der Tour prägten vor allem noch die typischen Reiseinfektionen die therapeutischen Konsequenzen. 2 Personen  mussten wegen Brechdurchfall ins Tal gefahren werden. Höhenbedingte Veränderungen stellten die meisten schon in der ersten Hütte mit 2700 M.ü.M fest: Die Symptome waren vermehrtes Wasserlösen, mehrmaliges Erwachen nachts mit Luftnot, schnellerer Herzschlag in Ruhe und Kopfschmerzen.

Am 2. Aufstiegstag (Endhöhe 3700 M.ü.M) kollabierte im Sitzen 1 Person wegen Hitzestau. Aber wegen gleichzeitigen Magendarmproblemen stieg diese Person am 3. Tag lieber wieder ab. Mit ihr ging auch eine Person mit vermindertem Lungenvolumen (im Voraus bekannt) hinunter ins Tal. Definitiv gefordert waren wir bei der 3. Person, die die Höhe zwar ohne Probleme erreichte, aber innert weniger Stunden eine massive Leistungsintoleranz, leichtes Fieber, Atemnot und einen sehr schnellen Ruhepuls zeigte. Innert kürz wurde das Höhenlungenödem (Wasser in der Lunge) medikamentös behandelt und der Patient beim Einbruch der Nacht abtransportiert. Die Person zeigte danach einen erfreulichen Verlauf.
Die Magendarm Probleme verfolgten uns leider bis auf den Gipfel. Neben der Höhe war sicherlich auch ein infektiöser Keim daran beteiligt. Dies war zwar lästig, aber nicht Expeditions entscheidend!
Unabhängig davon zeigte sich zunehmend auch eine Appetitlosigkeit bei gewissen Teilnehmern. – Dies gehört auch in den Symptomkomplex der Höhenkrankheit.

Am 3. Aufstiegstag (Akklimatisationstag = gleiche Schlafhöhe wie 2. Tag) brauchte eine Person einen Ruhetag wegen leichter Höhenkrankheit. Dies reichte, um am nächsten Tag weitersteigen zu können. Wie zu erwarten nahmen mit der grösseren Höhe auch die im 1. Abschnitt beschriebenen Höhensymptome in Intensität und Häufigkeit zu. Diese hielten sich aber erfreulicherweise noch  in Grenzen.

Am 4. Aufstiegstag (End höhe 4700 M.ü.M) hatten wir einen Fall mit massiven Kopfschmerzen wegen der Höhe. Diese Beschwerden sprachen aber auf die normalen Schmerzmittel gut an. Beim weiteren Aufstieg hatte diese Person erneut deutliche Höhensymptome. Sie konnte den Kibo aber besteigen und ging danach sofort wieder hinunter.Eine weiterer Person stoppte bei der Kibo Hütte seine Expedition wegen engen Atemwegen.

Am Gipfelsturmtag ging es Stephan Holderegger weiterhin eigentlich tip top. Keine Probleme! Leider hatte er dann ca. in der Hälfte der Strecke 3 leichte Schwindelattacken. Er entschied sich sofort selbst für den Abstieg, um sich sicher nicht selbst zu gefährden! Wir gratulieren ihm zu dieser fantastischen Leistung! Von der Fitness her hätte er es bis auf den Uhuru-Peak geschafft! Davon sind wir überzeugt!
Eine weitere Person beklagte sich über neue massivste Kopfschmerzen. Dieser Fall erreichte aber auch den Gillmen`s Point und stieg danach sofort wieder ab.
Die meisten Teilnehmer kamen an diesem Tag an ihr Leistungslimit und hatten ihre Höhen und Tiefen.

Beim Abstieg hatten wir Ärzte vor allem noch mit folgenden Problemen zu tun: Kopfschmerzen,  Fussbeschwerden, Muskelkater und Gelenksschmerzen.

Dem gesamten Team können wir Ärzte für Ihre super tolle Leistung nur gratulieren! Es war für uns eine neue Herausforderung; aber mit solch dankbaren  Teilnehmern mit bester Compliance hatten wir an unserer Arbeit wirklich Freude. Danke an alle!

Medical Team
Marcel Anrig
Andreas Wuermli