Reisebericht by Sherpa Outdoor Thierry Hennige

Nach einer äusserst gemütlichen Nacht, sei es im Zelt auf sehr weicher Matratze, im Haus von Mama Matata oder auch im nahen Hotel, traf man sich am Frühstücksbuffet wieder, um sich an Früchten, Gebäck, Appenzeller Käse und warmen Essen zu laben. In einem ausladenden Garten gelegen, unter freiem Himmel, fühlte man sich wie im falschen Film, aber niemals wie in Afrika mitten in einer Stadt.

Die Gegensätze wurden noch krasser, als wir wieder die Jeeps bestiegen und durch die nahen Stassen fuhren. Vermutlich ist es eine klassische normale afrikanische Stadt, doch die Armut war überall greifbar. Rauchgeschmack in der Luft, äusserst unorthodoxe Verkehrsführung, Abfall an allen Ecken, Notbauten und doch eine gewisser Stolz in der Brust.

Auf dem Weg zum Rhein Valley Hospital fuhren wir durch bereits bekannte Steppe, bevor wir die relativ angenehme Betonstrasse verliessen und den noch unbequemeren Feldweg unter die Räder nahmen. Ein ständiges Auf und Ab, bei etwa 10 km/h, liess einen Ausblick aus dem Schwebestand auf die Natur zu, die man ansonsten nie geniessen hätte können…

Nach relativ kurzer Fahrt, je nach Relation, kamen wir beim lang ersehnten Rhein Valley Hospital an und wurden von den Eindrücken erschlagen. Vorher staubige Landstrasse, glänzte das Schild sauber von einer frisch gestrichenen erscheinenden Mauer. Dieser erste Eindruck setzte sich hinter den Mauern fort: ein sehr gepflegter Garten, ein von aussen sauber erscheinenden Haupthaus, eine einladende Einfahrt.

Bei der Besichtigung der Hospital-Lokalitäten schlich sich ein mulmiges Gefühl ein. Man fühlte sich durchaus ein wenig als Fremdkörper. Draussen und drinnen warteten Massen an Patienten auf dringend benötigte medizinische Betreuung, während wir wirkten wie Elefanten, die durch den Porzellanladen stampften. Und doch waren die gesammelten Impressionen nötig, um uns Einblick in eine uns mehrheitlich fremde Welt zu gewähren und uns zu zeigen, wofür wir die Sammelaktion absolvierten und warum wir den Kilimanjaro bestiegen haben.

Alle Zimmer glänzten vor Sauberkeit und hätten auch höchsten Schweizer Standards genügt, die Bettenstation war gut gefüllt und alles machte einen sehr gut organisierten Eindruck. Jeder Spendenrappen schien gut angelegt zu sein, und vielleicht überkam den einen oder anderen ExpeditionsteilnehmerIn der stille Stolz, Teil dieses tollen Projekts sein zu dürfen. Die Essensverteilung konnte ebenso beobachtet werden, wie auch die Reinigung der verschiedenen Lokalitäten. Ein Blick auf die Geburtenstation war möglich, wie auch auf die leeren Behandlungszimmern, die Küche und viele, viele dringend benötigte Zimmer, welche alle ihren unterschiedlichen Zweck erfüllten.

Nachdem die Expeditionsflagge auf abenteuerliche Weise gehisst wurde, wurde ein Gruppenphoto geschossen und kurz danach erneut die Jeeps bestiegen. Wieder über die gleich holprige Strasse kämpften sich die Fahrzeuge den Hügel hinauf, in Richtung der Wasserstation. Die Fahrt dauerte weitere 20 – 30 Minuten (vorsichtig geschätzt, die holprige Piste fühlte sich mehr nach einer Stunde an…), bis wir das Dorf und die Wasserpumpe erreichten.

Mit einem kleinen Haus gesichert war im Inneren ein Generator am Werke, welches aus über 200 Meter Tiefe das Grundwasser nach oben pumpte. Auf der Rückseite des Gebäudes wurde via Wasserhähnen das direkt anliegende Dorf und die nahe Umgebung mit dem dringend benötigtem Wasser versorgt. Nach der Besichtigung des Pumpwerks und des Dorfes wurde die grosse Expeditionsfahne ausgebreitet und von allen Expeditionsteilnehmern gespannt, um ein weiteres Gruppenphoto zu schiessen. Auch von der Rückseite des Gebäudes, in Front der Spendertafel, wurde der Moment mit allen verewigt.

Die Jeeps nahmen die Abfahrt in Angriff, während im Inneren Reime über die mögliche Unfallsart hoch zu Fahrzeuge gedichtet wurde. Als Beispiel: „Diä nöchsti Kurvä chunt schoh, das wärde miar niemols überstoh…“. Der schwarze Humor nahm Überhand, bis endlich die rettende Betonpiste nach viel zu langer Fahrt auftauchte. Ansonsten hätte vielleicht der eine oder andere seine Engelsflügel aufgrund der gemachten Reime verloren, die Schwinger wurden dem Ausdruck „Die Bösen“ aber nicht vollkommen gerecht…

Die Fahrt endete in einer Hochebene, mit Blick auf den See, weite Felder, Hügel und die Sonne. Auf der Terrasse konnte man sich am Büffet stärken, inkl. Suppe und Dessert. Der Blick wanderte in die Ferne, um das Tagesgeschehen zu reflektieren und die vielen neu gewonnen Eindrücke zu bewältigen. Es ging allerdings nicht allzu lange, und die bereits stark strapazierten Jasskarten flogen wieder über den Tisch, während sich ein anderer Teil der Gruppe an einen Verdauungsspaziergang machte, oder sich in den Pool stürzten.

Auf der Rückfahrt zur Unterkunft passierten wir einen schweren Unfall. In der Seitenböschung waren drei Lastwagen ineinander verkeilt, ohne das glücklicherweise Feuer ausbrach. Bei den drei Lastwagen handelte es sich um Tankfahrzeuge, hoffentlich für alle Beteiligte ohne Inhalt zum Unfallszeitpunkt. An der Unterkunft angekommen gab es ein situatives Nachtessen, während das Pressezentrum seine Arbeit wieder aufnahm und die bisher noch nicht vorgestellten Tage nachbearbeiten.

Als Highlight des Abends wurde durch Benjamin Pipa eine Präsentation über die Entwicklung der Hauptwebseite der Expedition, die bisher gemachten Videos, das Medienecho und die Besucherzahlen von www.hochhinaus.ch durchgeführt. Wir möchten uns an dieser Stelle besonders bei all unseren Gönnern und Followers bedanken, welche uns bisher so treu begleitet haben und dies hoffentlich auch weiter machen werden.