Der Kilimanjaro und Ich.

Seit mehr als 23 Jahren hatte ich den Traum den Kilimanjaro einmal zu Fuss zu besteigen. 2010 fasste ich den Entscheid diesen Traum in die Tat umzusetzen.
Nach intensiven 13 Monaten Vorbereitung klappte dann mein Vorhaben am 5. Feb. 2011 mit der erstmaligen Besteigung des höchsten Punktes Afrikas.

Auf Grund verschiedener Umstände war es jedoch 2011 so, dass ich das Errreichen des Gipfels nicht bewusst warnehmen konnte und mich im Nachhinein oft fragte : War ich überhaupt auf dem Gipfel ? Hätte ich nicht Fotos gehabt, welche bei noch dunkler Nacht und eisiger Kälte gemacht wurden, hätte ich sicher selber nicht daran geglaubt.
Ich fühlte mich, als ob ich einen schönen Farbfilm angeschaut hätte und kurz vor dem Happyend dreht jemand die Farbe auch schwarz-weiss.

Diese Umstände und einige mehr waren es, welche mich dazu bewogen haben den Kilimanjaro noch einmal in Angriff zu nehmen.

So kam es dann nach wiederum 14 Monaten intensiver Planung und akribischer Vorbereitung in der Nacht vom 2. auf den 3. April zum finalen Endaufstieg auf den Gipfel des weissen Berges Afrikas. Da es bei unserem Anmarsch an den Kraterrand am Vortag heftig zu schneien begann, erwiesen sich die Bedingungen im Vergleich zum Vorjahr als wesentlich kräfteraubender. Hingegen waren die Tempreaturen um einige Grad angenehmer als noch 2011. Auch das Wetter zeigte sich mit einer sternenklaren Nacht und ohne Wind von einer sehr angenehmen Seite.

Auf Grund der Erkenntnisse vom letzten Jahr entschlossen wir uns in 2 Gruppen zu starten. Wir liessen eine langsamere Gruppe mit 17 Teilnehmern  um 00.15 Uhr loslaufen. 5 Gipfelstürmer, darunter auch ich, entschlossen sich, erst um 01.00 Uhr zu starten, und einen schnelleren Rythmus anzuschlagen. Schon knapp 2 Stunden nachdem wir abgelaufen waren, hatten wir die erste Gruppe ein- und auch gleich überholt. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte ich erkannt, dass der Aufstieg diesesmal mindestes 20 % mehr Kraft kosten würde. Jeder Schritt musste im schmierigen Neuschnee ganz präziese gesetzt werden, was höchste Konzentration und viel Kraft erforderte.

Bereits zum Zeitpunkt der Einholung der Gruppe “Kurz” hatte ich grösste Bedenken, dass sich Diese bis auf den Kraterrand der Kilimanjaro hochkämpfen würde. Das von Ihnen angeschlagene Tempo war zu langsam um bis Sonnenaufgang den Gilmanspoint auf 5685 m.ü.M. zu erreichen und je länger man dann noch bei Sonnenlicht benötigt, um so harter wird die Aufgabe !!.

Meine Gruppe, welche zwischenzeitlich auf 4 Personen schrumpfte, war hingegen bestens unterwegs. Wir konnten den sehr schnellen Rythmus konsequent hochhalten und erreichen um 06.30 Uhr den Kraterrand. Nur 2 Minuten später präsentierte uns der  Kilimanjaro einen wunderbaren Sonnenaufgang. Wir genossen die Szenerie und stellte aber gleichzeitig fest, dass die Gruppe ” Kurz ” noch sehr weit unten im mörderischen Schlusshang war. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass viele der noch ausstehenden Gipfelstürmer den Gilmanspoint nicht erreichen würden.

Nach ca.10 Minunte Genuss der Sitution mit den leuchtenten Stufengletschern auf der Rückseite des Kraters des Kibo, und dem in der Sonne starhlenden Ma Wenzi (Nebengipfel des Kibo) drängten uns unsere Träger zum Weitermarsch auf den höchsten Punkt des Kraterrandes.

Bei nun sehr warmen Temperaturen kämpften wir uns weitere 1 1/4 Stunden weiter, dem “Uhuropeak”  auf 5895 m.ü.M. entgegen. Speziell die letzten 150 Höhenmeter ab erreichen des ” Stellapoints” waren das härteste was ich bisher erlebt habe. Erwin , Willi, Andreas und ich mussten bis an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit gehen und die letzten Reserven anzapfen.

Um 08.00 Uhr war es dann endlich soweit, mein Farbfilm hatte das farbige Ende bekommen. Bei wunderbarem, allerdings für unsere Ausrüstung schon schnell zu warmen Temperaturen, erreichten wir 4 den höchsten Punkt Afrikas. Zusammen mit meinem besten Freund Erwin, mein langjähriges Ziel nun ganz bewusst erreicht zu haben, war für mich und auch für meine 3 Kollegen ein sehr emotionaler Moment,welche auch die eine oder andere Träne fliessen liess.

Nach den obligaten Fotos und dem Genuss der verschiedenen Gletscher auf der Vorderseite des Kibo (so heisst der Hauptgipfel des Vulkanmassives Kilimanjaro) und im Krater des Vulkanes, kam uns mit Lothar ein weiterer Finisher entgegen.

Bereits waren 45 Min. auf dem Gipfel vergangen und unsere Träger drängten uns wehement auf den Rückabstieg. Dies war auch absolut richtig so,sollte man sich doch eigentlich nicht länger als 15 Min. auf dieser Höhe aufhalten ! Nachdem ich bis zum Gipfel keinerlei Beschwerden zu verzeichnen hatte, signalisierte mir nun mein Körper, dass ich so rasch als möglich in tiefere Lagen sollte. Nach Entledigung ettlicher Kleidungsteile ging es nun ertour in Richtung Gilmanspoint.Auf dem Weg zurück trafen wir auf Linda, Daniel und Doris, welche es offenbar auch schaffen würden den Uhurupeak zu erreichen. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass viele  Starter den Rückweg angetreten haben mussten, und den Kraterrand nicht erreicht haben konnten. Als wir um 09.30 Uhr an besagtem Punkt ankamen, war dann auch keine Person mehr anwesend. Allerdings konnten wir feststellen, dass es doch der eine oder andere Teilnehmer geschaft haben musste, allerdings war nicht klar, ob diese Spuren von den vorgängig erwähnten Teilnehmern stammten.

Auf Grund der mittlerweile sehr warmen Bedingungen im Steilhang, war der Abstieg alles anderer als einfach. Der Neuschnee wurde immer sulziger und verlangte erneut höchste Konzentration. Für mich war es zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr wichtig wer bis wohin gekommen war. Ich sorgte mich nur um die Gesundheit aller Teilnehmer, und hoffte, dass alle die KIBO-Hütte auf 4800 gesund erreichen würden.

Nach nur 75 Min. Abstieg vom Kraterrand, in welchem ich in der Geröllhalde in der Falllienie nach Unten sleidete, erreichte ich um 10.45 Uhr die Hütten. Bereits auf dem Rückweg traf ich auf einige andere Starter, welchen die Strapazen deutlich anzusehen waren.

Was ich dann jedoch im Teeraum der Kibo-Hütte zu hören bekam war für mich beinahe unglaublich.

Bis auf Stephan Holderegger, welcher auf ca. 5200 m.ü. M. umdrehte (was eine Wahnsinnsleistung ist) hatten sich alle anderen Starter anscheinen auf den Gilmanspoint hochgekämpft. Es ist für mich noch immer kaum zu glauben, hätte ich doch um 06.30 Uhr, als ich auf besagtem Punkte war, ganz bestimmt gegen die im Hang kämpfende Gruppe gewettet.

Diese unglaubliche Leistung wurde nur möglich dank der fantastischen Gruppendynamik welche im ” Expeditionsteam 2012″ steckte. Hätte nur eine Person frühzeitig umgedreht, wäre ein Dominoeffekt entstanden und ettliche weiterer Starter hätten den Kampf verloren und umgedreht. Einmal mehr zeigte sich, dass eine Kette nur so stark ist, wie das schwächste Glied. Am 3. April 2012 im Endaufstieg zum Kibo gab es kein einziges schwaches Glied !!!

Ich gratuliere allen Teilnehmern für die vollbrachten Leistungen und bin mir sicher, dass jeder für sich unvergessliche Erfahrungen sammeln konnte.

Ich für meine Person bin mit dem Kilimanjaro nun endgültig im Reinen. Ich bin dem Berg für alle Leiden und Freuden welche er mir beschert hat dankbar.

Der Kilimanjaro hat mich und mein Leben verändert.

Hansueli ( Hasa ) Steiner