Reisebericht by Sherpa Outdoor Thierry Hennige

Nach dem Nachtessen fand bei romantischem Laternenlicht noch ein kurzer „Schellenjass“ statt, bevor die Müdigkeit auch den letzten tapferen Streiter erwischte. Die Schlafstätte lag direkt über dem Aufenthalts-/Esszimmer, was ein Schlafen ohne Oropax verunmöglichte. Die steile Treppe war wie das ganze Haus aus Holz, was sich immer wieder durch lautes Knarren bemerkbar machte. Sobald einer der beiden Schwinger sich die Treppe auf oder ab bewegte, war das ganze Gebäude in Bewegung und man fühlte sich wie hoch zu Meer…

Nachdem alle ihre Schlafstätten bezogen hatten, war aber noch lange nicht Ruhe. Nun übernahmen kleine Mäuse das Kommando und stürmten den Schlafsaal. Manch einer, der gerade am Einschlafen war, sah sich plötzlich Aug in Aug mit dem kleinen Nagetier.

Die Nacht verlief für einige unruhig. Ob es die Höhe oder die viel konsumierte Flüssigkeit war, während der Nacht war ein ständiges Kommen und Gehen (inkl. oben beschriebenem lautem Feedback in Form von knarrendem Holz). Wer sich trotz leichter Minusgrade nach draussen traute konnte den wolkenlosen Himmel, mit unzähligen Sternen geschmückt, bewundern.

 

Das Hochplateau offenbarte nach unten den Blick auf eine hell erleuchtete Stadt, welche in der Ferne lag.

Um 06:30 Uhr fand die Tagwacht, plus Frühtee, statt. Der Druck auf den Kopf, den mancher aufgrund der ungewohnten Höhe am Vortag verspürte, war grösstenteils bei allen weg. Dafür sah man öfters geschwollene Augenränder, sei es durch die kurze Nacht oder dem ungewohnten Höhendruck.

Nach dem Frühstück um 07:30 Uhr nahm die Expedition die Tagesetappe unter die Füsse. Ziel waren die Zebra Rocks, welche 500 Meter Höhendifferenz zusätzlich bedeuteten. Diese 500 Meter dienten der Akklimatisierung für den nächsten Tag, um den Körper an die bald kommende Höhe zu gewöhnen.

Trotz eher gemächlichem Tempo war das Tagesziel viel zu schnell erreicht, während die TeilnehmerInnen noch vor Kraft und Motivation strotzten. Deshalb wurde nach kurzer Pause noch ein zusätzlicher Aufstieg eingebaut, so dass viele ihren ersten Höhenrekord verbuchen konnten: 4‘230 M.ü.M. waren es an diesem Tag.

Natürlich musste dieser persönliche Rekord als Schweizer mit einem zünftigen Jodler besungen werden. Der Rat des mitgereisten Arztes, unterwegs nicht zu „schwatzen“ (Originalzitat), war auch bereits davor nicht befolgt worden. So manches lautes Lachen erschütterte die ansonsten eher ruhige Bergwelt…
Am höchsten Punkt offenbarte der Kilimanjaro zeitweise seine Schönheit, indem er sich zwischen Wolken und Nebel kurz zeigte. Die noch vorhandene Höhendifferenz zwischen dem Tagesziel und dem Berg war beeindruckend, jedoch waren alle guter Dinge den Berg auch bald unter den Füssen sehen zu dürfen.
Der Rückweg zum Startpunkt verlief problemlos. Als Belohnung für die Anstrengung winkten warmes Wasser zum Waschen, Mittagessen, und anschliessende Bettruhe.